Wie lernt ein Pferd?

Bestimmt hast du schon einmal ein Pferd / Reiter Team gesehen, welches sich fast unsichtbar verständigt. Ich persönlich bin beeindruckt, wenn ich ein solches Team sehe. Dieser Reiter hat es geschafft, sein Pferd auf die von ihm gesendeten Signale (also Reize) zu sensibilisieren. Beide sind wie eine Einheit und es macht einfach Spaß ihnen zuzusehen. Auf der anderen Seite können wir aber auch Reiter beobachten und hier nehme ich bewusst das Wort “Team” nicht in den Mund, welche mit Biegen und Brechen versuchen, ihr Pferd zu einer Sache zu bewegen. Das Pferd hat den Reiter nicht verstanden oder ist gar abgestumpft, der Reiz – so sagt man in der Fachsprache – wurde habituiert. 

Worin liegt der Schlüssel zum Erfolg?

Wir senden ständig Signale (also Reize) bewusst und unbewusst. Beim Training mit unserem Pferd nutzen wir bewusst ein Signal, einen Reiz aus, um von unserem Pferd eine (im Idealfall) richtige Reaktion zu erhalten.

Bis zur richtigen Reaktion ist es aber ein gewisser Weg, der selbst nach dem „Verstehen / Konditionieren“ noch behutsam ausgebaut werden muss, damit dieser irgendwann in einer wunderbaren Kommunikation zwischen Reiter und Pferd zum Ausdruck kommen kann.

Nicht jeder Reiz wird von deinem Pferd gleich bewertet. Deshalb ist es wichtig, die unterschiedlichen Verhaltensweisen auf bestimmte Reize zu kennen, um diese im Training bestmöglich auszubauen bzw. zu vermeiden.

Interessiert? Dann beginnen wir von der Pike auf uns mit diesem Thema zu beschäftigen.

Die Geschichte von Reiz und Reaktion!

Um sich in der Welt zurechtzufinden, hat die Evolution für uns Lebewesen Großartiges geleistet. Über viele Millionen Jahre wurden die Sinnesorgane für jede Art optimiert und den Umweltbedingungen immer besser angepasst. Durch die Sinnesorgane ist der Organismus in der Lage, gut und böse zu unterscheiden und somit sein Überleben zu sichern. Das Ausmachen der richtigen Nahrung, die Kommunikation in der Gruppe und der Schutz vor Gefahren – kurz das gesamte Leben – wäre ohne die Wahrnehmung der Sinnesorgane nicht möglich.

Ein gewisses Paket von angeborenen Reflexen, welche auf unbedingte Reize reagieren, gibt es gratis zum Start ins Leben. Weitere müssen erst über die Jahre erlernt werden. Einige etwas schneller als andere! Nimm das kleine Fohlen, das den unbedingten Hungerreiz verspürt und bei Mama am Euter sein Verlangen mit dem im Paket enthaltenen Saugreflex stillt. Sollte das kleine Wesen dabei jedoch recht grob mit Mamas Weichteilen umgehen, würde die Mutterstute ein recht verständliches Signal aussenden. Dieser Reiz wird in dem Fohlen garantiert eine Reaktion auslösen und im Idealfall der Mama eine zweite unsanfte Attacke ersparen.

Wie werden Reize aufgenommen?

Beim Pferd und Mensch sind das die Augen, die Ohren, die Nase, die Haut (wie die Tasthaare bei Pferden) und die Zunge. Obwohl gleiche Sinnesorgane uns von der Natur geschenkt wurden, verarbeiten diese die Umwelt auf unterschiedliche Art und Weise.

Nehmen wir zum Beispiel die Augen eines Pferdes. Im Gegensatz zu uns Menschen (und anderen Raubtieren) sind die Augen von Fluchttieren seitlich am Kopf positioniert. 

Das Pferd als Fluchttier nimmt die Welt um sich herum ganz anders wahr als wir Menschen. (Willst du mehr über das “Sehen” von Pferden wissen, dann kann ich Dir diesen Beitrag empfehlen!) Was dazu führen kann, dass zum Beispiel bestimmte Orte für ein Pferd erst einmal unangenehm wirken und die von dir gestellte Aufgabe nicht bei deinem Pferd ankommt. Viele Pferde fühlen sich in der Nähe von anderen Pferden wohler, dies kannst du am Anfang deiner Übung eventuell nutzen.

Warum nicht jeder Reiz zur Reaktion führt.

Reize sind für ein Lebewesen überlebenswichtig, aber auch energieaufwendig. Ein Pferd, das auf jeden Reiz mit Flucht reagiert, würde spätestens nach ein paar Tagen vor Hunger und Erschöpfung tot umfallen. Deshalb werden die unterschiedlichen Reize kategorisch bewertet. Manche Reize werden höher bewertet und führen zu einer prompten Reaktion, andere wiederum stellen sich als nicht wirklich relevant heraus und die Reaktion auf einen solchen Reiz stumpft mit der Zeit ab.

Um diesen Unterschied im Training gewinnbringend einzusetzen, müssen wir uns etwas intensiver mit dem Thema beschäftigen. Wie gesagt, im Training nutzen wir kontinuierlich Signale in Form von Reizen, um mit unserem Pferd zu kommunizieren. Auf welche Punkte du dabei achten solltest, werden ich in den nächsten Beiträgen genauer beleuchten.

Welche Lernformen gibt es?

Jede Menge kann ich euch sagen, die aus meiner Sicht wichtigsten für die Pferdeausbildung liste ich nachfolgend auf.

Beim einfachsten Lernen, wird unbewusst auf ein Reiz mit einer Reaktion geantwortet. Man spricht dabei vom NICHT-assoziatives Lernen,

der sogenannten Sensitivierung ->

ein Lebewesen wird empfindlicher gegenüber einem bestimmten Reiz

und der sogenannten Habituation ->

ein Lebewesen wird unempfindlich gegenüber einem Reiz.

Beide Reize basieren auf unbewussten Reaktionen. Das Verhalten ist angeboren.

Beim sogenannte assoziativen Lernen sprechen wir überwiegend von der 

klassischen Konditionierung ->

durch Training wird eine Verknüpfung zwischen einem anfänglich neutralen Reiz und einem unbedingten Reiz geschaffen, was in Folge zu einer erlernten oder bedingten Reaktion führt.

und der operanten Konditionierung ->

auch -Lernen durch Erfolg- genannt. Das Verhalten wird durch eine angenehme bzw. unangenehme Konsequenz verändert. Der Begriff positive und negative Verstärkung ist recht geläufig, wird aber gern falsch interpretiert.

Das sogenannte Bewegungslernen findet ständige statt, wenn sich ein Lebewesen an seine Umwelt anpasst. Geht es beim Training um neue Bewegungsabläufe, muss dieser bis zu seiner flüssigen Ausführung fleißig gelernt werden. Als Ausbilder / Trainer von Sport und Physiotherapie sollte man gute Kenntnisse über das Bewegungslernen haben.

Lernen am Modell (oder Imitationslernen, Beobachtungslernen, Nachahmungslernen genannt), wird alles das genannt, was sich ein Individuum durch Beobachtung anderer abschaut und spiegelt.

Beim kognitiven Lernen spricht man nicht mehr von direkter Reiz – Reaktions, sondern von Methoden der Problemlösung und Kreativität.

Soweit die Zusammenfassung in den nächsten Beiträgen geht es in die Details.

Eure Barbara von Pferdeliebe

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