Braucht Dein Pferd Schwefel?

“Hast Du schon einmal Schwefel gefüttert?” Fragte mich ein Mädel vor Kurzem am Stall. “Schwefel?” Erwiderte ich, denn ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört. “Ja, Schwefel in Form von MSM!” “Ist das nicht giftig?” Schoss es aus mir heraus. Nein, lachte sie und zog von dannen.

Tatsächlich hatte ich von MSM, als Nahrungsergänzung für Pferde und Menschen, schon häufiger gehört. Ehrlich gesagt, hatte es mich bis dato aber nicht wirklich interessiert. Bis jetzt!

Ich fragte mich: „Braucht ein Pferd (oder ein Mensch) Schwefel?!“

Am Abend suchte ich alle Fachbücher aus den Bereichen Pferdefütterung und Ernährung des Menschen zusammen. Über die Jahre hatte sich hiervon einiges bei mir im Regal angesammelt. In dem Buch „Pferdefütterung“ von H. Meyer und M. Coenen fand ich folgendes:

"Schwefel ist ein essenzieller Bestandteil des Eiweißes und wird deshalb bei genügender Eiweißversorgung ausreichend zugeführt. Die üblichen Gehalte in Gras und Graskonserven variieren um 2 - 4 g/kg Trockenmasse. Dies kann als bedarfsdeckend angesehen werden, so dass dieses Element im Folgenden nicht näher behandelt wird." 

Zu meinem Erstaunen fand ich in den beiden Büchern “Nährstofftherapie” von Volker Schmiedel sowie “Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe” von H. K. Biesalski nichts zum Thema Schwefel oder Methylsulfonylmethan (MSM). In diesen Büchern geht es ausschließlich um unseren Bedarf an diesen Nährstoffen.

Jetzt wurde das Fragezeichen über meinem Kopf noch größer! Warum?

Schwefel ist ein sogenanntes Mengenelement (mehr 50 mg pro KG Lebendmasse – 1490 mg pro KG im Pferd), welches in zahlreiche Stoffwechselprozesse eingebunden ist und über die Nahrung aufgenommen werden muss! Kriterien, welche auf Calcium, Kalium, Natrium, Magnesium, Phosphor und Chlor ebenfalls zutreffen. Diese werden aber, im Gegensatz zum Schwefel, ausreichend in den Fachbüchern beschrieben.

Viele Fragen, die ich über einen langen Zeitraum recherchiert habe und nachfolgend beanworten möchte.

Schwefel – ein Bestandteil des Körpers!

Schwefel gehört als sogenanntes Mengenelement zum Körper, besser gesagt zum Organismus, von Pferd und Mensch. Zum Beispiel trägt ein Pferd, welches 500 kg wiegt 745 g Schwefel mit sich, oder besser gesagt, in sich (Meyer/Coenen 2014). Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Schwefel bereits am Ursprung des Lebens eine entscheidende Rolle spielte.

Wie kommt der Schwefel in den Körper?

Pferde und Menschen nehmen über eine gute Fütterung / Ernährung ausreichend Schwefel auf. Zum Beispiel durch die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein sowie über die Vitamine Biotin (B7) und Thiamin (B1), des Weiteren über frisches Weidegras in Form von Methylsulfonylmethan kurz MSM.

In welchen Futter- / Lebensmitteln steckt Schwefel?

Pferde 🐴 nehmen über

  • Weidegras 
  • Luzerne
  • Hafer
  • Mais
  • Weizenkleie
  • Bierhefe
  •  

… Schwefel auf.

Wir Menschen nehmen Schwefel über

  • Fleisch
  • Eier
  • Fisch
  • Milch / Milchprodukte 
  • Zwiebeln 
  • Knoblauch

zu uns, um nur einige zu nennen.

Warum braucht der Körper Schwefel?

Ohne Schwefel kein Horn und kein Härchen. Schwefel ist ein Baustein der essentiellen Aminosäuren Methionin und Cystein, diese sind wiederum für die Bildung von Keratin (also Horn und Haar) zuständig. Darüber hinaus spielt Schwefel bei vielen weiteren Stoffwechselprozessen eine wichtige Rolle, so beeinflusst er das Immunsystem und ist an der Bildung von Insulin beteiligt. Außerdem ist Schwefel ein Bestandteil von Sehnen, Bändern, Bindegewebe und Knorpeln.

Kann der Bedarf an Schwefel erhöht sein?

Schwer zu sagen, da es leider viel zu wenig Studien hierzu gibt. In den Studien, die ich zu diesem Thema gefunden habe, wurden 20 bzw. 24 Pferde einbezogen. Es konnte gezeigt werden, dass eine Supplementierung (Nahrungsergänzung) von MSM den oxidativen Stress, welcher unter Hochleistungssport entsteht, reduzieren konnte. Die Studie, welche auf den Bewegungsapparat des Pferdes ausgerichtet war, führte zu keiner Verbesserung durch MSM. (Wer sich dafür interessiert, die Studien habe ich unter den Quellen verlinkt.)

Schwefel als Nahrungsergänzung, macht das Sinn?

Gibt man im Internet MSM (Methylsulfonylmethan) ein, werden einem zahlreiche Produkte in Kapsel- oder Pulverform angeboten. Scheinbar ein recht nachgefragtes Produkt. Doch warum ergänzen, wenn kein Mangel vorliegt, wovon wir eigentlich durch eine proteinhaltige Fütterung/Ernährung ausgehen können. Die Bestimmung von elementarem Schwefel im Blut ist bis heute nicht üblich und somit ein Mangel äußerst schwer nachzuweisen.

Achtung! Im Internet findet man zum Teil recht hohe Bedarfsmengen. Hierzu konnte ich keine wissenschaftliche Studie finden und ich würde jedem von einer solch hohen Dosierung abraten.

Mögliche Auswirkungen von Überdosierung

Sensible Menschen können mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl oder Durchfall auf zu viel schwefelhaltige Nahrung reagieren. (Vorsicht beim Pferd, dies kann sich über Übelkeit und Kopfschmerzen schlecht beklagen!)

Zu viel Schwefel kann sich negativ auf den Säure-Basen-Haushalt auswirken. 

Im Zusammenspiel mit Molybdän (Spurenelement) & Sulfat (Salze/Ester der Schwefelsäure) kann ein Kupfermangel entstehen.

Ist Schwefel giftig?

Die Verbindung macht den Unterschied!

Je nachdem mit welchen Elementen sich Schwefel verbindet, entsteht für uns (Pferd & Mensch) ein Gift oder ein Lebenselixier.

Zu den giftigen Schwefelverbindungen zählen:

– Schwefelwasserstoff 

– Schwefeldioxid

– Schwefelsäure

– Schwefelkohlenstoff

– …

Zu den lebensnotwendigen Verbindungen zählen:

– Cystein

– Methionin

– Methylsulfonylmethan

– Biotin

– Thiamin

– …

Der Schwefel in uns lässt sich nicht verleugnen

Bestimmt hast Du schon einmal den Geruch von verbranntem Haar oder Horn wahrgenommen. Beim Verbrennen von Haar (genauer von der Aminosäure „Cystein“) entsteht stinkendes Schwefeldioxid (SO2) und Schwefeltrioxid (SO3). Nicht nur das entlarvt den Schwefel in uns, auch der übel riechende Pups transportiert Schwefelwasserstoff nach draußen. Dieses Gas entsteht, wenn Darmbakterien die Nahrung zersetzen.

FAZIT:

Schwefel ist ein tolles Element, ohne das wir alle nicht wären. Was jedoch die Aufnahme von Schwefel in Form von MSM angeht, würde ich mich persönlich zurückhalten.

Eure Barbara von Pferdeliebe

Quellen: 

Bücher:

“Pferdefütterung” von H. Meyer und M. Coenen

“Pferde fit füttern” von Dr. Christina Fritz

“Ernährung des Menschen” 6. Auflage Ibrahim Elmadfa, Clais Leitzmann

Studien:

“The effect of methyl sulphonyl methane supplementation on biomarkers of oxidative stress in sport horses following jumping exercise”

Acta Veterinaria Scandinavica 2008 – Elena Vara & Forschungsteam – Medizinischen Fakultät der Complutense-Universität Madrid

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24011144/

The effects of three-month oral supplementation with a nutraceutical and exercise on the locomotor pattern of aged horses

Equine Vet J. 2014 Sep Higler MH

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24011144/

Weblinks: 

https://www.dr-susanne-weyrauch.de/gesundheit/naehrstoffe/schwefel

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/msm-hilft-die-schwefeltherapie-bei-arthrose-13829

https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/07_Allgemeinverfuegungen/01_Archiv_Uebersicht/07_Nahrungsergaenzungsmittel/lm_av_022_01.pdf?__blob=publicationFile&v=3

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